Buchautor Glavitza Erich


11. Oktober 2011Kategorie Interview

Glavitza Erich im Interview

Buchautor Glavitza Erich

Gleichzeitig fuhr er erfolgreich Auto- und Motocross-Rennen und war Stuntman in James-Bond-Filmen, doubelte Diana Rigg, hierzulande bekannt als „Emma Peel“, und fabrizierte die Rennunfälle in Steve McQueens „24 Stunden von Le Mans“.

Später folgten Eishockey und Sportschießen – österreichischer Meister mit der Combatpistole. Er leitete eine sehr erfolgreiche Rennfahrerschule für Jungtalente, das „Junior Racing College“, und arbeitet heute als Fahrsicherheitstrainer beim ÖAMTC im Fahrtechnikzentrum Teesdorf.

Seine literarischen Arbeiten sind bei Resistenz („Wölfe“, „Koschak – Get the Rolex“), ORAC Verlag („Härte ohne Grenzen“), bei Liber Libri/Guthman-Peterson („Killer Leopard“) und in der 100-Jahre-Sterz-Sondernummer, Literaturzeitschrift/Graz, erschienen. Er wird dort mit seiner Prosa „Bewältigung“ und „Männermord“ unter Österreichs wichtigen GegenwartsautorInnen angeführt.

Er lebt zurzeit in Wien, ist geschieden und hat drei Töchter, die ihn lieber am Schreibtisch als in Rennautos sehen wollen.

Buchideen :: Woher bekommen Sie Ihre Buchideen?

Ich bin schon ein „Zeit´l“ auf der Welt, hab recht viel erlebt, siehe CV und bin auch bunten Menschen, auch vielen Idioten und Wahnsinnigen begegnet. Daraus schöpfe ich meine Figuren und Gestalten. Alle gab es und gibt sie heute noch. Für mich ist wichtig, dass diese Leute leben/lebten … aus ihnen einen Massenmörder oder einen Heiligen zu machen ist nicht schwer. Aber sie müssen irgendwie einmal „vor“ mir herumgewandert sein, damit ich sie genau in ihren Eigenheiten etc. (wie sie am Hemdkragen zupfen oder in der Nase bohren) beschreiben kann … dann werden sie vor, in, unter und über mir wahrhaftig …

Zeitbedarf :: Wie viel Zeit erfordert das Schreiben der Erstfassung?

Ein gutes Jahr, wenn nicht mehr … ich unterbreche sehr oft die Arbeit an einem Manus … und nehme mir ein anderes vor … dann wieder zurück und so weiter … ein bissl rastlos 😉

Motivation :: Was treibt Sie an zu schreiben?

Ich habe immer schon Geschichten im Kopf gehabt – als ich noch nicht schreiben konnte, habe ich meine Freunde im Kindergarten mit Phantasien unterhalten – einmal war ich Feuerwehrhautpmann, dann wieder Apachen-Krieger und so weiter; in der Schule habe ich immer gute Aufsätze geschrieben – wenn auch mit Rechtschreibfehlern, aber die Storys haben meinen Lehrern immer gefallen … naja, und das ging dann so weiter bis ins Saurier-Alter hinein

Recherche :: In welchen Medien recherchieren Sie am meisten?

In meinem Schädel – der kocht immer über vor G´schichten; hab aber einen Forensic-Kurs mit Mark Benecke besucht, dann habe ich mich mit Giftmorden beschäftigt – das meiste in den Krimis über Giftmorde ist Unsinn … in Wahrheit sterben die Leute nicht so schnell wie in den „Märchen“-Krimis … dann ärgere ich mich über Ungenauigkeiten: Ein Revolver ist keine Pistole und umgekehrt … und einen 45er Colt Magnum Revolver wie in den (sonst hervorragenden) Thrillern von Stig Larsson hat es nie gegeben … aber meine Freundin beruhigt mich dann wieder … „Hör auf, das interessiert niemanden – das weißt nur du und ist dem Rest der Leser völlig blunzen (zu deutsch: sch…egal)“ – sie hat sicher recht (Frauen haben das in der Regel immer …)

Arbeitsumgebung :: Wie sieht Ihr Schreibtisch aus?

…. wie nach einer Supernova! Der Müll scheint sich auf meinem Schreibtisch wie das Universum immer weiter auszudehnen …. :-(

Tagesablauf :: Wie sieht Ihr typischer Schreiballtag aus?

Morgens MUSS ich ins Café – entweder Mario (Hietzinger Hauptplatz), Café Landtmann (Burgtheater) oder Bräuner Hof (Th. Bernhards Lieblingsklause) . nach zwei Eiern im Glas, Buttersemmel (ausdrücklich dünn bestrichen) und einem „Großen Braunen“ (Doppelter Espresso mit Sahne, für bundesdeutsche Leser) – kurzer Morgenlektüre FAZ, Süddeutsche, NZZ, Die Presse, Der Standard … wird zwei Stunden geschrieben oder am Manus gearbeitet. Dann zwei Stunden Fitnesszenter (Kraft,Ausdauer,Boxen) … am späteren Nachmittag (wenn mich meine Freundin lässt) noch einmal ein bis zwei Stunden … dann raucht mir der Schädel und ich höre IHR nur noch stumm zu …

Selfpublishing :: Worin liegen die größten Vor- und Nachteile?

Absolut geile Sache – die Verlage und Buchhändler verschlafen das wieder mal. Sie werden in Zukunft nur noch Jubiläumsbildbände (1000 Jahre Zugspitze, 5000 Jahre Oktoberfest) herstellen und an Sparkassen oder Volksbanken im Spätherbst verkaufen – und diese werden als Weihnachtsgeschenk an Kunden gratis veteilt. Belletristik wird ohnehin kaum ein zweites Mal gelesen – und ist deshalb der Volltreffer für ebooks … Die Sache muss sich sicher noch einschleifen … auch neue Textformen etc. … ich sehe z.B. spezielle Textrhythmen und Textmelodien für Smartphones … das ganze muss sich erstmal einspielen … aber in den elektronischen Medien liegt die Zukunft … Handke wird weiter mit der Hand schreiben … ich habe aber das Gefühl dass die jüngere Generation nicht mehr die Geduld für Prosa dieser Art aufbringen wird – sie werden weiterhin Prosa lesen aber in anderen Rhythmen … wie im Jazz – zuerst Improvisation über Akkorde, dann modale Linien, Jazzrock, Freejazz … und so weiter. Die Jungen geben den Takt und die Schlagzahl … nicht wir.

Wie muss es meinem Vater (1898 Jahrgang) ergangen sein, als er Little Richards „Tutti Frutti“ gehört hat – sicher: DAS IST DAS ENDE DER WELT!!!! … war es aber nicht. Er ist knapp nach der Mondlandung gestorben – und hat in seiner Studienzeit das erste Flugzeug über der Steiermark erlebt …

Marketing :: Nutzen Sie die Social Media Seiten und wenn ja, welche?

Für ebook weiß ich es noch nicht – ich glaube, dass die US-Theorie von den Twitters und Facebooks etc.etc. für Europa noch ein bissl verfrüht ist … andererseits bleibt uns hier nichts anderes übrig.
Eine Marktstudie hat gezeigt, dass ebooks kaum bis gar nicht über Zeitungsrezensionen verkauft werden, sondern auf Empfehlungen über Freunde … das würde wiederum Facebook, Twitter etc. bedeuten
Schau´mer mal

Genre :: In welchen Genres veröffentlichen Sie Bücher bzw eBooks?

Ich schreibe Thriller – und erotische Literatur, dazu Shortstories für Literaturzeitschriften.
Selber lese ich Thomas Bernhard, Handke, Brett Easton Ellis, John Grisham, Franzen, Arno Schmidt, Stephen King (On writing – das beste Buch für Schreiber) … alle Hörbücher die Ulrich Matthes liest.

Tipps :: Welchen Ratschlag möchtest du einem neuen Autor mitgeben?

Schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schrei …, bis es finster wird.

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2 Reaktionen zu “Buchautor Glavitza Erich”

  1. Nora Zornam 12. Oktober 2011 um 12:07 Uhr

    Hallo Erich Glavitza, schön, einen Autor zu treffen, der auch schon einige Zeit auf der Welt ist, und das, nach einem so aufregenden Leben u.a. als Stunt-Man. Darüber gibt es ja sicher viel zu schreiben.-
    Kann es sein, dass wir uns vom österr. Lit. Mag. „schreibkraft“ kennen?
    Es grüßt herzlich
    Nora

  2. erich glavitzaam 12. Oktober 2011 um 13:08 Uhr

    Hi Nora,
    der lit.mag. „schreibkraft“ ist mir im moment nicht wirklich geläufig – aber ich freu mich jetzt, dich kennenzulernen. wer ist „schreibkraft“ … vielleicht hab ich mich da mal eingeloggt, hab´s (dem alter entsprechend) verschwitzt. Das foto auf der autorenseite ist „gelogen“ – ich habs dem Hanno aber geschrieben – das bild wurde glaub ich 1964 oder 1965 in monza aufgenommen – schon ein zeitl her! Ich schau zwar nicht wie einer aus dem Jurrassic Park aus – aber viel fehlt nicht 😉
    liebe grüße
    Erich

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